Neue Galerie Gladbeck

Stella Hamberg : Götter 1

17. Mai bis 12. Juli 2013 in der Neuen Galerie Gladbeck

Eröffnung am 17. Mai um 19.30 Uhr

Einführung: Raimund Stecker, Direktor LehmbruckMuseum Duisburg

Im Zentrum von Stella Hambergs plastischer Bildsprache steht, wie in der gesamten Kunstgeschichte der Bildhauerei, der Mensch.

Die Arbeit an einer Plastik funktioniert für Hamberg wie ein ständiger Dialog und in jeder ihrer Bildwelten wird eine eigene Sprache gesprochen.

Stella Hamberg: Das Mädchen, 2010, Bronze patiniert, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Stella Hamberg: Das Mädchen, 2010, Bronze patiniert, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

„Bilder, Plastiken, plastische Bilder, Bildräume. Ich arbeite figürlich. Ich arbeite gegenständlich. Ich arbeite handwerklich und prozesshaft. Es dreht sich um die Neubesetzung überkommener Techniken, Stile, Ausdrucksmittel oder Inhalte und die Brechung stereotyper Muster und die Infragestellung von Moden. Es dreht sich um Plastik und „Antiplastik“, die Lust an der Brechung der Gestalt. Die „ungestaltete Gestalt“ oder die „gestaltete Ungestalt“, und so etwas wie die Anmut des Grotesken. Ich arbeite mit Verweisen und formalen oder inhaltlichen Antagonismen und Unstimmigkeiten, die sich zu einer eigenen Sprache und Bildwelt verselbstständigen. Einen Gedanken verkörpern, darum geht es. Um Gestalt gewordene Ideen und die Tatsache, dass Sprache – Sprachsprache wie Bildsprache Wirklichkeit konstruiert.“

Wer Hambergs „Berserker“ einmal gesehen hat, wird sie so schnell nicht wieder vergessen. Aber auch ihre neuen Bronzeplastiken – junge Frauen und Männer, durch Haltung und Kleidung der Jetzt-Zeit zuzuordnen, schaffen einen besonderen Mythos. Ergänzt wird die Ausstellung durch Bildhauerzeichnungen.

Deutschlands derzeit spannendste Bildhauerin wird sie genannt. Wie eine „Mischung aus Form und Furor“ beschrieb Silke Müller die Arbeiten von Stella Hamberg im „Stern“. Sie knete ihre Energie in das Material und hole dann die „Ich-Anteile“ mit dem Skalpell wieder heraus. – Diese Aussage beschreibt wesentliche Charakteristiken der Arbeiten der 1975 in Friedberg/ Hessen geborenen Bildhauerin. Die Bürgin für die Zeitgenossenschaft ihrer Werke ist sie selbst, ihr körperlicher Einsatz, ihre Authentizität und ihr direkter Zugriff. Das hört sich so selbstverständlich an, ist es aber nicht, wenn wir das Material betrachten, mit dem sie arbeitet. Bronze galt unter den zeitgenössischen Künstlern lange Zeit als verpönt, als Material der Repräsentation, der wohlfeilen Standbilder in den Fußgängerzonen. Sich mit diesem Material auseinander zu setzen, hat die Künstlerin gereizt. Denn Bronze hat den Charakter von etwas „Ewigem“, gegen den sie mit ihrer Dynamik und Bewegung kompromisslos anschafft.

Stella Hambergs Figuren stehen sockellos auf dem Fußboden. Sie teilen mit dem Betrachter die gleiche Ebene. Die Figuren „Der Freund“ und „Das Mädchen“, die sie zuletzt im Kunstverein Ulm gezeigt hat, sind nur wenig größer als der Durchschnitt deutscher Männer und Frauen. Sie sind auf Augenhöhe mit ihrem Gegenüber. Diese neuen Bronzen wirken nicht heroisch, auch nicht elegant, obwohl sie teilweise über geglättete Oberflächen verfügen. Mit den bewusst von der Künstlerin eingesetzten Disproportionen an Köpfen, Händen und Füßen wirken sie kraftvoll, aber durchaus unvollkommen. So wie Unvollkommenheit einen Menschen eben lebendig, interessant und zum Individuum macht.

Stella Hambergs Figuren stehen in ihrer Verbindung von Archaischem und Zeitgenössischem zwischen Realität und Fiktion. Wie auch Carl André sucht Stella Hamberg in der Kunst keine Information, sondern Erfahrung. Atmosphäre, Duft, Temperatur, Stimmung – das sind durchaus Begriffe, die zu der unabhängigen, traumähnlichen Realität ihrer Werke passen. Das Licht auf den teils glatten, teils bewegten Oberflächen tut ein Übriges. Das Auge des Betrachters streift von der Wahrnehmung der Kleidung im Detail zur Gesamtfigur und ihrem Ausdruck der Innerlichkeit und des Entrücktseins. Und damit wechselt der Eindruck von zeitgenössischem Ganzporträt zu einem Psychogramm jugendlicher Menschen, springt von der Oberfläche zu ihrer inneren Verfasstheit. „Ist man nur, solange man etwas tut oder gibt es auch ein Sein jenseits der Tat?“ diese Frage markiert den Übergang von Stella Hambergs „Berserkern“ zu den neuen, mehr verinnerlichten Figuren.

Stella Hamberg: o.T., 2012, Tusche auf Papier 42 x 29,7 cm, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Stella Hamberg: o.T., 2012, Tusche auf Papier 42x29,7 cm, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Stella Hamberg studierte Bildhauerei bei Prof. Martin Honert in Dresden. Seit ihrem Meisterschülerabschluss im Jahr 2005 lebt und arbeitet die 1975 geborene Künstlerin in Berlin. 2006 erhielt sie das Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium. 2011 widmet das Mönchehaus Museum Goslar der Künstlerin eine Einzelausstellung, Ausstellungen im Kunstverein Ulm und im Künstlerhaus Bethanien folgten. Arbeiten von Stella Hamberg sind außerdem im Albertinum in Dresden zu sehen. 2013 hat die Künstlerin eine Einzelausstellung in der Galerie EIGEN + ART Berlin.

Titelgebend für die Gladbecker Schau „Götter 1“ ist eine Serie von kleineren Plastiken, die erstmalig zu sehen sein werden.

Zur Ausstellung erscheint eine Edition.


Neue Galerie Gladbeck, Bottroper Str. 17, 45964 Gladbeck.

Tel: 02043-3198371, info@neue-galerie-gladbeck.de

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 15-20 Uhr.

www.neue-galerie-gladbeck.de


Mit freundlicher Unterstützung von

Stiftung neg

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Neue Galerie Gladbeck, Bottroper Str. 17, 45964 Gladbeck

Öffnungszeiten: Mi-So 15-20 Uhr; Phone: +49(0)2043-3198371; e-mail: info@neue-galerie-gladbeck.de; www.neue-galerie-gladbeck.de


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