Neue Galerie Gladbeck
Neue Galerie Gladbeck

SPEKULATIVER REALISMUS
Peter Doig - Axel Geis - Malgosia Jankowska - Melora Kuhn - Maik Wolf

11. November 2016 – 06. Januar 2017

Eröffnung: Freitag, 11. November, 19.30 Uhr

Zur Eröffnung spricht Ludger Kreyerhoff, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Gladbeck

Die Einführung hält Christoph Tannert, Künstlerhaus Bethanien, Berlin

Diese realistisch-figürliche Ausstellung zeigt fünf außergewöhnliche figurative Positionen, die gewissermaßen das realistische Feld der Gegenwartsmalerei abstecken – mit allen Extremen bis zum Umschlag ins Fantastische, Konstruierte oder gegenständlich Harte. Das Ausstellungskonzept ist lose angelehnt an die aktuellen philosophischen Debatten um einen “Spekulativen Realismus“, der keine gemeinsame systematische Denkrichtung meint, sondern durch einen neuen Stellenwert ontologischer Fragen gekennzeichnet ist.

 Peter Doig: »Pierrot le Fou«, 2004, Öl auf Papier, 72,5 × 57,50 cm, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Jochen Littkemann

Peter Doig: »Pierrot le Fou«, 2004, Öl auf Papier, 72,5 × 57,50 cm, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn, Foto: Jochen Littkemann

Peter Doig (*1959 in Edinburgh) gilt als einer der höchstbezahlten lebenden Künstler unserer Zeit. Seine Werke erzielten Preise bis zu 26 Millionen Dollar. Von der Kunstzeitschrift Monopol wurde er für das Jahr 2007 als achtwichtigster lebender Künstler der Welt platziert. Doig malt  bevorzugt Landschaften. Oft bilden Fotografien die Grundlage seiner Bilder, er malt jedoch nicht im fotorealistischen Stil. Häufig verwendet er unübliche Farbkombinationen und Blickwinkel und erzielt damit eine magisch realistische Wirkung. Sein Markenzeichen ist stets die Verweigerung, sich dem mainstream unterzuordnen; seine Bilder sind zwar ästhetisch, aber gleichzeitig auch sozialkritisch zu sehen. Um topographische Abbildungen oder gar um Darstellungen der Realität geht es Doig in seinen Bildern nie, eher um die Idee von fernen Erinnerungen an magische Landschaften. Fast immer sind Fotos oder Plakate der Ausgangspunkt seiner Malerei, indes nur selten ein Film. Allerdings veranstaltet Peter Doig zusammen mit seinem Freund Che Lovelace in seinem Studio in Laventille auf Trinidad wöchentlich den StudioFilmClub, ein kleines Filmfestival für zeitgenössische avantgardistische Filme. Hierfür malt der Künstler Plakate, die auf Versteigerungen Höchstpreise erzielen. In Gladbeck wird eine Auswahl seiner Filmposter Reihe zu sehen sein.

Axel Geis: »Im Theater«, 2016, 75 × 100 cm, Courtesy Axel Geis und Galerie Wentrup, Berlin, Foto: Trevor Good

Axel Geis: »Im Theater«, 2016, 75 × 100 cm, Courtesy Axel Geis und Galerie Wentrup, Berlin, Foto: Trevor Good

Bei Axel Geis (* 1970 in Limburg) steht die menschliche Figur im Mittelpunkt seines Schaffens. Dabei geht es ihm allerdings nicht um das Abmalen eines Modells, seine Bilder entstehen auf der Basis von Reproduktionen. Neben Fotografien aus dem familiären Umfeld oder selbst inszenierten Aufnahmen sind es ebenfalls stillgestellte Filmszenen, die als Ausgangspunkt für die Gemälde dienen können. Dabei durchforstet Geis jedoch keinen Filmkanon oder bestimmte Gattungen, sondern die Motive beruhen eher auf reinen Zufallsfunden, ohne Berücksichtigung ihres künstlerischen und filmhistorischen Wertes. Durch die malerische Übertragung findet ein Abstraktionsprozess statt, bei dem die Quellen unkenntlich gemacht werden. Geis entindividualisiert sein Personal so weit, dass es nicht identifiziert werden kann, ohne dabei allerdings die Gesichter vollständig zu schematisieren. Die spezifischen Eigenheiten der Figuren lassen sich trotz allem im Kern nach wie vor ausmachen. Der Künstler nutzt die Vorbilder nur als Startpunkt und entwickelt aus ihnen völlig neue Gesichtszüge, die mehr oder weniger stark von der Grundlage abweichen können. Durch diesen Prozess verlieren die Gemälde ihre abbildhafte Funktion.

 Malgosia Jankowska, »Zwei im Wald«, Aquarell und Filzstift auf Papier, 100 × 150 cm, 2014, Courtesy Galerie Michael Schultz, Berlin.

Malgosia Jankowska, »Zwei im Wald«, Aquarell und Filzstift auf Papier, 100 × 150 cm, 2014, Courtesy Galerie Michael Schultz, Berlin.

In den Bildern von Malgosia Jankowska (*1978 in Sochaczew, Polen) sieht der Betrachter oftmals Kinder, die sich in fast animalischer Selbstverständlichkeit inmitten der Natur bewegen. Sogar in den Fällen, wo ein bedrohliches Element hinzutritt – weil beispielsweise das Boot der Rückkehr auf dem Waldsee verrottet oder eine Blockhütte prekär überm Hang schwebt –, hat man nie das Gefühl, die Kinder hätten sich verirrt. Zivilisationsflüchtig wie Hänsel und Gretel, scheinen sie doch aufgehoben und sicher in jener watteweich stillen Alternativ-Wirklichkeit, in welche Malgosia Jankowska sie und den Betrachter transportiert hat. Unweigerlich wird die Frage aufgeworfen, welche Art Märchen es überhaupt ist, das die Künstlerin auf ihren großformatigen Blättern, die im Strichel- und Fleckdetail der wie ausgebleichten Aquarell- und Filzstiftfarben so nüchtern gebaut sind, erzählt. Jankowskas komplex-aufwendige Zeichnungen verkünden jedoch keinen simplen Zurück-zur-Natur-Appell. Die ausgebreitete Harmonie – so es denn eine ist – hat keine Moral, sie ist jenseits von Gut und Böse.

 Melora Kuhn, »What they knew«, 2015, Öl auf Leinwand, Diptychon, jew. 60 × 500 cm,  Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin

Melora Kuhn, »What they knew«, 2015, Öl auf Leinwand, Diptychon, jew. 60 × 500 cm, Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin

Die Arbeiten von Melora Kuhn (*1971 in Boston) sind eine stetige Beobachtung der Erfahrungen, die Menschen mit sich selbst und in der Gesellschaft machen. Kuhn bedient sich der Bildsprache von Mythologien und Geschichte, insbesondere der Bildformen der amerikanischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, aus der sie einzelne Bilder isoliert und in einen neuen Kontext setzt. Dabei gilt ihr Interesse den Details, die in der Erzählung vergessen oder ausgelassen wurden, um so eine fest determinierte und bekannte Geschichte in eine andere Richtung zu führen und den persönlichen Biografien der Protagonisten in ihren Bildern eine neue Lesbarkeit einzuschreiben, indem sie mit dem Hintergrund den Seelenzustand der Personen andeutet oder durch eine zweite, über dem Porträt liegenden Umrisszeichnung, eine zweite Narration hinzufügt.

 Maik Wolf: »Monrepos Resort House of Plenty 1«,  2016, Ölfarbe auf Leinwand, 220 × 190 cm, Courtesy Galerie Michael Schultz, Berlin.

Maik Wolf: »Monrepos Resort House of Plenty 1«, 2016, Ölfarbe auf Leinwand, 220 × 190 cm, Courtesy Galerie Michael Schultz, Berlin.

Die architektonischen Ensembles, wie sie Maik Wolf (*1964 in Pirna) auf seinen Gemälden beschreibt, wird man in der Realität kaum antreffen. Seine surreal anmutenden Bildentwürfe sind Bühnenprospekten vergleichbar, die darauf warten, bespielt zu werden. Eine verschleierte Spannung baut sich in ihnen zögernd und hintergründig auf, um sich schließlich umso intensiver zu manifestieren. Wolf lässt Schilderungen unterschiedlich gearteter Situationen entstehen, welche die Imaginationskraft der Betrachter gleichermaßen evozieren: unspektakuläre Vorbeifahrlandschaften, bizarre Porträts nie realisierter Bauten oder illusorische Veduten. Die Rätselhaftigkeit seiner präsentierenden Darstellungen fasziniert, weil sie im Detail nichts Fremdes, sondern vertraute Motivik in ungewöhnlichen Konstellationen zeigen. Der Maler entführt den Betrachter in Gefilde, die vertraut erscheinen, ohne ihnen wirklich näher kommen zu können, deren Existenz man erahnen mag, die jedoch märchenhaft, romantisch, sentimental, ironisch, emotional, provokant oder irreal verfremdet werden und aufgrund formaler und chromatischer Interventionen in ihren Bann ziehen.


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